Joens Person Lindahl
der Schöpfer des Ringparks vor 130 Jahren nach Würzburg berufen Seit 1995 veranstaltet die Stadt Würzburg jährlich für ihre Bürgerinnen und Bürger an einem Wochenende im August das beliebte Ringparkfest. Im Jahr 2010 findet es wieder am 7. und 8. August statt. Dabei wird Stadtrat Willi Dürrnagel um 17.00 Uhr an beiden Tagen durch den Ringpark führen und Bauten und Denkmäler im und am Ringpark erläutern. Im Mittelpunkt der Führungen wird gerade 2010 Jöns Person Lindahl stehen, der vor genau 130 Jahren - am 2. August 1880 - als Inspektor der städtischen Gartenanlagen nach Würzburg berufen wurde und seine segensreiche Arbeit im Dienst der Stadt Würzburg angetreten hat.

Mit Begeisterung macht Lindahl sich an die Umgestaltung der früheren Festungswerke und der Glacisanlagen zu wirklichen Gartenanlagen. Die Entwürfe für die Anlagen wurden u.a. auf der Internationalen Gartenbauausstellung in Petersburg mit der goldenen Medaille, der höchsten Auszeichnung, gekrönt. Lindahl schuf Landschaftsbilder von unvergleichlicher Schönheit, um die Würzburg von vielen Städten beneidet wurde und wird. Wenige Schritte südwestlich der Neuen Universität steht, aus großporigen Kalksteinblöcken aufgetürmt, ein „romantischer Brunnen“. Eine Bronzeplakette von Peter Feile, im Jahr 1901 angebracht, erinnert an Jöns Person Lindahl, den Schöpfer des Ringparks, der sich am 22. September 1887 in der Nähe davon erschoss. Der Grottenbrunnen war das letzte Schmuckstück, das er seiner Parkanlage eingefügt hatte.

Lindahl, 1843 in Wä in der Nähe von Christianstad in Schweden geboren, besuchte die Realschule, arbeitete zunächst auf dem gräflichen Gut Okesholm, kam auf die Gärtnerlehranstalt Bäkkaskog, war anschließend Gärtner in Stockholm, dann in Hamburg-Wandsbeck. Um sich zu vervollkommnen, bewarb er sich erfolgreich als Gehilfe des damals führenden Gartengestalters Heinrich Sießmayer, des Direktors des Frankfurter Palmengartens. Dieser überließ Lindahl ziemliche Freiheit beim Plan und der Ausführung des Parkes bei Schloss Philippsruhe nahe Hanau. Bei der Ausschreibung der Stelle eines Stadtgärtners in Würzburg 1879 empfahl Sießmayer seinen Schüler, der angestellt wurde, da Sießmayer das Husarenwäldchen als Meisterprobe bereits den Würzburgern präsentiert hatte.

Lindahls Aufgabe war es, mit möglichst geringen Mitteln die wenigen schon bestehenden Teilstücke zu verbinden und den Ringpark in einheitlicher Gestaltung vom Schlachthof bis zur Löwenbrücke durchzuführen. Seine ersten Gegner schuf sich der Stadtgärtner, als er Büsche und Bäume beseitigen ließ, die nicht seiner Vorstellung eines „englischen“ Landschaftsparkes entsprachen. Seine Stellung war damals noch unangefochten.

1.Bürgermeister Georg von Zürn, sein großer Förderer, der Lindahl gegen alle Vorwürfe schützte, starb am 5. Mai 1884, so dass das Kesseltreiben gegen den „Schweden“ beginnen konnte. Man konnte hören: „Erneut sei der Schwede in Würzburg eingefallen und hause und verwüste wie zur Zeit des Schwedenkrieges“. Seine meisterhaften Entwürfe und Pläne fanden Anerkennung auf vielen Ausstellungen, doch den kleinen Verwaltungsaufgaben des Alltags, die ständige Sorge um die Anlagen, die Organisation der Arbeitskräfte wurden ihm zum Martyrium. Wegen des harten Untergrundes vor dem Bahnhof war es zur ersten Kostenüberschreitung gekommen, weitere folgten. Als ihm versteckt vorgeworfen wurde, er habe nicht alle Ausgaben belegen können, weil er sich wohl bereichert habe, ertrug der nervöse und reizbare Mann diese Belastung nicht und griff am 22. November 1887 zur Pistole und erschoss sich. Nach seinen Plänen wurde noch das restliche Stück vom Grottenbrunnen zum Mainkai ausgeführt; gestrichen wurde nur der vorgesehene Teich mit einer Kaskade nahe dem Mainkai.

Dem Verstorbenen folgte der Gärtner Engelbert Sturm im Amt. Dieser brachte 1888 das Sanderglacis, besonders das Terrain zwischen Huttenstraße und Main, bis auf Teile längs des äußeren Glacisweges zum Abschluss.
Der Bau der Löwenbrücke machte 1894 eine Umgestaltung des Sanderglacis zwischen Sanderstraße und Main notwendig. Ursprünglich lief die Huttenstraße noch durch den Ringpark zum Sanderring. Es gelang nun, die Anlage einheitlich von der Sanderstraße bis zum Main zu gestalten. Auch hier musste man an einigen Stellen das Terrain um 4, 80 Meter heben.

Vierzehn Jahre nach dem Hinscheiden Lindahls – am 14. Juli 1901 – wurde dem Unvergesslichen in der Nähe des Ortes, an dem er sein Leben ein Ende machte (südwestlich vom Universitätsgebäude) von seinen Freunden und der Stadtverwaltung unter lebhafter Teilnahme der Würzburger Bevölkerung ein Denkmal gesetzt. Der Brunnen wurde von Lindahl noch selbst entworfen. Das Denkmal besteht in einer in den Brunnen eingelassenen Bronzetafel mit Reliefbild. Das darunter befindliche Reliefband, das jetzt leider fehlt, trug die Inschrift: „Dem um den Ausbau der Ringparkanlagen hochverdienten Stadtgärtner Jöns Lindahl 1880 – 1887“. Später ließ der Würzburger Stadtrat eine Straße nach Lindahl benennen, 1982 wurden seine sterblichen Überreste in das städtische Ehrengrab in der 1. Abteilung des Hauptfriedhofes umgebettet.

Text u. Bild Willi Dürrnagel


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