Chronos- oder Moenusbrunnen
Der Chronosbrunnen hat einen säulengeschmückten Unterbau, an dessen Vorderseite in Flachnische befindet sich die Hochrelieffigur des Moenus, davor die Brunnenschale. Über dem Gesamtaufbau erhebt sich eine mächtige Gruppe, Zeit und Wissenschaft darstellend. Clio, die Muse der Geschichte, wird vom Zeitgott Chronos oder Saturnus auf das Residenzschloss, den Sitz des Fürstbischofs hingewiesen.
Geschaffen hat diese Skulptur in rotem und grünem Sandstein um 1780 Hofbildhauer Peter Wagner, der damals gerade für die Residenz und für den Hofgarten in Würzburg und Veitshöchheim arbeitete.
Er erhielt ein Salär von 210 Reichstaler für sein Werk. Das Herbeischaffen des mächtigen Steinblocks von 165 x 270 x 120 cm für die Chronos-Clio-Gruppe aus den Abtswinder Steinbrüchen war sehr schwierig.
Ein Vorspann von 20 Pferden war für den Transport des 150 Zentner schweren Blocks nötig. Die Brücke über den Main, über die der Stein gebracht werden sollte, wurde auch gerade erneuert.
1771 hatte man mit den Fundamenten des Brunnens begonnen; im Mai 1772 hatte Wagner sein Werk vollendet, und am 10. Juli, nachdem man die Verzierungen vergoldet und die Figuren weiß gefasst hatte, war das Werk endlich abgeschlossen. Dem Geschmack Adam Friedrich von Seinsheim und dem Zeitgeist entsprechend sollte die Gruppe wie aus Porzellan wirken. Den Brunnen umgab früher auch ein schönes Gitter aus Eisen, das leider entfernt wurde und schon lange verschwunden ist.
Die Figuren wurden 1872 überarbeitet und der Bildhauer Michael Arnold aus (Bad) Kissingen setzte den Moenus über dem Brunnenbecken ein.
„Vater Main“ stützt sich auf einen Krug, aus dem das Wasser des Flusses herausfließt. Die Beigaben Trauben, Fisch und Eichenstrunk versinnbildlichen den Reichtum des fränkischen Landes.
Bereits 1890 war Wagners Chronosgruppe so verwittert, dass man sie durch eine Nachbildung aus Kelheimer Marmor ersetzte. Das Original ist verschollen.“

Text und Fotos: Willi Dürrnagel


Ein Lexikon - Service von: www.unser-wuerzburg.de