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Adam Stegerwald
Adam Stegerwald ist eine der großen Gestalten in der Entwicklung der christlichen Arbeiterbewegung. Er war eine starke und überzeugende Persönlichkeit, ein Vorkämpfer für Demokratie und Freiheit, für Rechtsstaat und soziale Gerechtigkeit. Er hat sich bereits in der Zeit des Kaiserreiches als Christlicher Arbeiterführer und Sozialpolitiker profiliert und dieses Jahrhundert mitgeprägt.

Er stammte aus Greußenheim, wo er am 14. Dezember 1874 als Sohn kleiner Landwirte in ärmlichen Verhältnissen geboren wurde.

Professor Walter Eykmann beschreibt in „Würzburg-heute“ Nr. 39/1985 eindrucksvoll die Jugendzeit Adam Stegerwalds: „Er verbrachte mit sieben Geschwistern eine harte Jugendzeit, über die man noch heute in seinem Heimatdorf zu berichten weiß, dass er, als Junge in die Apotheke des benachbarten Remlingen geschickt, an der Postbrücke bei Roßbrunn seine Schuhe ausgezogen, unter die Brücke gestellt und sie erst bei seiner Heimkehr wieder angezogen habe, um auf diese Weise seine Schuhsohlen zu schonen. Nach dem Besuch der zweiklassigen dörflichen Volksschule in Greußenheim – wenn der Lehrer hier und da die Klasse allein lassen musste, fungierte der kleine Adam als „Hilfslehrer“, weil er zu den Begabtesten zählte -, erlernte er in Höchberg und Zell das Schreinerhandwerk.“

1893 trat er in Günzburg an der Donau dem Kolpingverein bei. Er hat zu dieser Zeit auch keine Gelegenheit ausgelassen, um sich weiterzubilden. Einige Semester lang hörte er in Stuttgart, München und Köln Vorlesungen an der Handelshochschule bzw. Universität. Bald schon war er politisch im Arbeiterwahlverein der Zentrumspartei und gewerkschaftlich im Münchner Verein „Arbeiterschutz“ tätig. Seine Vorzüge, wie etwa Tatkraft, Verantwortungsfreudigkeit und Organisationstalent, ebneten ihm rasch den Aufstieg.


1899 übernahm er den Vorsitz des „Zentralverbandes Christlicher Holzarbeiter“, 1902 wurde er zum Generalsekretär der christlichen Gewerkschaften gewählt. Im gleichen Jahr heiratete er Crescentia Humpel. Der Ehe entstammten sechs Kinder.

Seit 1903 führte er die Geschäfte des „Deutschen Arbeiterkongresses“, eines Zusammenschlusses von christlichen Gewerkschaften. Ab 1908 amtierte er auch noch als Sekretär der Internationalen Konferenz der Christlichen Gewerkschaften.

Im Ersten Weltkrieg begann Stegerwald seinen politischen Aufstieg, der ihn 1916 in den Vorstand des Kriegsernährungsamtes und 1917 als ersten Arbeitervertreter ins Preußische Herrenhaus führte. 1918 übernahm er den Vorsitz des „Deutsch-demokratischen Gewerkschaftsbundes“, des Zusammenschlusses fast aller nichtsozialistischen Gewerkschaften. Mit diesem Fundament wurde der „Deutsche Gewerkschaftsbund“ (DGB) gegründet.

Mit Adam Stegerwalds Namen ist der Aufstieg der christlichen Gewerkschaften verbunden. Auf der ersten Internationalen Konferenz Christlicher Gewerkschafter vom 3. bis 5. August 1908 stellte Stegerwald fest: „Solange die Kirchenfürsten den Unternehmern nicht verbieten, sich mit Andersgläubigen zu wirtschaftlichen Zwecken zusammenzuschließen, solange hat kein Papst und kein Bischof das Recht, den Arbeitnehmern vorzuschreiben, wie sie sich gewerkschaftlich zu organisieren haben.“

In der Folgezeit kam Stegerwald in hohe politische Ämter: 1919 bis 1921 preußischer Wohlfahrtsminister, 1920 bis 1933 Zentrumsabgeordneter im Reichstag, 1921 preußischer Ministerpräsident für acht Monate. 1923 Nominierung zum Reichskanzler, was er aber ablehnte. 1929 bis 1930 war er Reichsverkehrs-, 1930 bis 1932 Reichsarbeitsminister im Kabinett Brüning. Brünings Sturz Ende Mai 1932 beendete auch die Ministertätigkeit Stegerwalds.

Die politische Sternstunde Stegerwalds bildete seine Rede vom 21. November 1920 auf dem 10. Kongress der christlichen Gewerkschaften Deutschlands in Essen. Klar erkannte er die Wurzel des Übels, welches das Parteienwesen der Weimarer Republik lähmte: Seine konfessionelle und politische Zersplitterung. Deswegen trat er mit Nachdruck für die Gründung einer neuen Partei ein, die eine antisozialistische und überkonfessionelle Sammlung durchführen sollten. Seine Losung lautete: „deutsch, christlich, demokratisch, sozial“. Er forderte in Essen die Gründung einer „Christlich-Nationalen Volkspartei“, die dazu beitragen sollte, eine auf christlicher Ethik beruhende Politik erfolgreich umzusetzen. Diese Vision einer interkonfessionellen Volkspartei nahm er gegen den erbitterten Widerstand von Teilen der Kirchen im gewerkschaftlichen Bereich vorweg.

Nach der Machtübernahme Hitlers wurde Stegerwald wie alle nichtnationalsozialistischen Politiker aus der aktiven Tätigkeit gedrängt und lebte als Privatmann in Berlin. Bei einer Wahlversammlung in Krefeld wurde Stegerwald von Nationalsozialisten niedergeschlagen und 1933 zählte er zu den drei Zentrumspolitikern, die in zwei Verhandlungsrunden mit Reichskanzler Hitler und Reichsinnenminister Frick den vergeblichen Versuch unternahmen, den Entwurf des von der Regierung verlangten „Ermächtigungsgesetzes“ zu entschärfen. In und um Berlin betätigte er sich bei der wirtschaftlichen Reorganisation von zwei Frauenklöstern, was er später scherzhaft kommentierte: Mit dieser Arbeit des „Umkrempelns“ habe er bereits sein „Fegefeuer“ abgebüßt. Als er 1943 ausgebombt wurde, kehrte er in seinen Heimatort Greußenheim zurück.

Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wurde er am 24. August gleichen Jahres von der Gestapo verhaftet. Er war zunächst in einem Straflager, dann im Landgerichtsgefängnis in der Ottostraße in Würzburg. Der Würzburger Kunsthistoriker Professor Kurt Gerstenberg, der mit ihm inhaftiert war, hat folgendes berichtet: „Adam Stegerwald war der älteste von uns, aber von unerschöpflicher Tatkraft, die sich nun in dem unwürdigen Geschäft der Gefängnisarbeit vertun musste. Seine Gesichtszüge waren grob, und wer ihn nur so sitzen und arbeiten sah, hätte ihn für einen alten Schneider halten können. Wenn er aber aufblickte mit seinen kleinen, lebhaften Augen, und wenn der Nasenkeil und vor allem die Buddha-Ohren in Erscheinung traten, bedurfte es keinen gelbseidenen Mantels mehr, um wie ein kluger chinesischer Mandarin zu wirken.“ Acht Wochen später wurde er wieder freigelassen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Stegerwald zu denjenigen Politikern, die beherzt daran gingen, das politische Leben in unserem Land wieder aufzubauen.

Die amerikanische Militärregierung bestimmte ihn zum kommissarischen ersten Regierungspräsidenten von Unterfranken. Sein Amtssitz war im 2. Stock der Landwirtschaftsschule in der Luxburgstraße. Jeden Morgen musste er um 8 Uhr zu einem Rapport bei der Militärregierung am Ludwigskai antreten. Mit der ihm eigenen zupackenden Energie wagte der 71jährige inmitten der Trümmer eines zerstörten Landes den demokratischen Neuanfang und den Wiederaufbau des mainfränkischen Bezirks.

Er hatte seinen Wohnsitz in Würzburg; hier setzte er am 21. August 1945 vor etwa 400 Personen im Studentenhaus am Sanderrasen in der vielbeachteten Rede „Wo stehen wir?“ erste parteipolitische Signale einer wiederaufbauenden Demokratie: Arbeiter, Bauern und das Handwerk sollten mit dem städtischen Bürgertum, den Intellektuellen und den Jugendlichen das Fundament der zukünftigen Partei bilden; der konfessionelle Streit in Deutschland müsse zurückgedrängt werden und der Klerus aus dem Parteienstreit ausscheiden: die Kirchen seien nach seiner Meinung ausschließlich „sittlich-moralische Mächte“. Mit dieser Initiative leistete Dr. Stegerwald Pionierarbeit für die Bildung einer interkonfessionell-christlichen Partei in Deutschland, die eine völlig neue und nicht der Tradition des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei zugewandt sein sollte; so wurde er der „Vater des Unionsgedankens“, und „förderte die Entwicklung in Unterfranken, Bayern und darüber hinaus. Was Demokratie ist, versuchte er in seiner Rede im Studentenhaus zu klären. Er führte aus: Demokratie ist kameradschaftlicher Verkehr von Mensch zu Mensch. Demokratie ist Bekämpfung der Ichsucht, Demokratie ist Bekämpfung des Einzelegoismus und der Gruppenegoismen. Demokratie ist, individuelle Freiheit und Gemeinschaft bewusst gleich zu vermitteln. Demokratie in dieser Hinsicht hat viel gemein mit den Grundsätzen des Christentums.“

Am 25. August 1945 fand schließlich in der Würzburger Wohnung Dr. Stegerwalds eine Besprechung zur Gründung der geplanten Partei statt; nach langer Debatte einigte man sich auf den Namen „Christlich-Soziale Union“. Stegerwald entwarf das Programm für eine neue christliche Partei, die CSU, das am 13. Oktober 1945 für Würzburg-Stadt und -Land verkündet wurde. Mit ihr wollte er „auf der sittlichen und geistigen Grundlage des Christentums eine neue demokratische Staats- und Gesellschaftsordnung aufbauen“ und auf eine „grundlegende europäische Neuordnung hinsteuern“. So erfüllte sich noch sein Lebenstraum vom großen Zusammenschluss der Christen in einer Volkspartei.

Unerwartet starb Dr. Stegerwald am Nachmittag des 3. Dezember 1945 im Alter von 71 Jahren an eine Lungenentzündung bzw. wie es im ärztlichen Totenschein heißt „plötzlichem Versagen des Herzens“ als Folge einer schweren Grippe in seiner ihm von den Amerikanern zugewiesenen Zweizimmerwohnung in der Spessartstraße.

Schweren Ärger hat ihm noch einen Tag vor seinem Tod ein Artikel in der „Frankfurter Rundschau“ bereitet, indem ihm vorgeworfen wurde, „bis vor anderthalb Jahren an den Sieg Hitlers geglaubt“ zu haben und dessen Anhänger gewesen zu sein. Verfasser war ein kommunistischer Überläufer, ein früherer Mitarbeiter des „Volksvereins für das katholische Deutschland“, der später lange Jahre als Korrespondent der DDR-Nachrichtenagentur ADN in Bonn tätig war.

An Stegerwalds Beerdigung nahmen neben den höchsten staatlichen, städtischen und geistlichen Repräsentanten auch Vertreter der Militärregierung teil und Auszüge aus Stegerwalds Reden wurden am Grab verlesen.

Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl hielt bei einer Gedenkveranstaltung aus Anlass des 40. Todestages am 1. Dezember 1985 die Rede und führte aus: „Mich verbindet mit dem Namen Adam Stegerwald auch ein Stück Familiengeschichte. In Greußenheim, wo Adam Stegerwald aufgewachsen ist, steht das Elternhaus meines Vaters... Stegerwalds Verdienste um die Idee der christlichen Demokratie sind ein Vermächtnis an unsere Generation“.

Michael Meisner über Stegerwald: „ Eine der stärksten und überzeugendsten Persönlichkeiten, die mir begegneten, war der ehemalige Reichsarbeitsminister Dr. h.c. Adam Stegerwald, der als Regierungspräsident von Unterfranken in Würzburg residierte... Ich war von seinem Scharfsinn, seinen historischen Kenntnissen, seiner Intuition und seiner Kombinationsgabe fasziniert. Zum Ersten Mal in meinem Leben begegnete ich einem „Homo politicus“... Der geistige Vater der Union ist meiner Überzeugung nach Stegerwald gewesen, der auch im Jahre 1945 die erste, von einem Deutschen verfasste Schrift unter dem Titel „Wo stehen wir“ mit der Fortsetzung „Wohin gehen wir?“ mit dem Plazet der Militärregierung veröffentlichte. Das Vorwort für beide Schriften trägt das Datum des 15. November 1945 und ist heute noch so aktuell, als wäre es gestern geschrieben. Stegerwald war lebendiger und temperamentvoller als Adenauer, und seine bäuerliche Abstammung, die Erdnähe, bewirkte, dass er plastisch explorieren konnte. Er liebte eine mit Bildern durchsetzte Sprache, die den Gegenstand so in die Mitte rückte, dass er von allen Seiten der Prüfung unterzogen werden konnte. In seiner Sprechweise hatte er gewisse Eigenheiten. So sagte er z.B. nie „Kommunisten“, sondern konstant „Kommunistel“. , so dass wir auch zu Hause nur von „Kommunistel“ sprachen, wodurch dieser Bürgerschreck keiner mehr war. Sein Tod war tragisch. Es blieb deutschen Journalisten in Heidelberg und Frankfurt überlassen, in gehässiger Weise ans Tageslicht zu ziehen, dass Stegerwald von den Nazis eine Art Pension bekam. Man konnte den großartigen Mann ja nicht verhungern lassen. Dieser Affront hat seinen Lebenswillen zerbrochen. Er starb am Nachmittag des 3. Dezember 1945 im Alter von 71 Jahren, für alle, die ihn kannten, deswegen so überraschend, weil bis dahin seine Gesundheit so unverwüstlich zu sein schien wie die Adenauers“.

Text und Foto: Willi Dürrnagel


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