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  Tauchen, wo andere Skifahren


Fische sehen? Tieftauchen? Warmes Wasser? Nein. Für Eistaucher zählt vor allem eines: Der Blick nach oben, der ganz neue Aussichten offenbart. Sie schwärmen von der Zauberwelt unter dem Eis, den Luftblasen die an der Eisdecke entlang „laufen“ - den Rückweg sichert nur eine Schnur.

Unter dem Eis: eine andere Welt
Eigentlich lieben unsere Kunden Eis, bevorzugt in zerstoßener Form. So wie im Cocktail. Da kann jeder gefrorenem Wasser durchaus etwas abgewinnen. Mit der Vorstellung jedoch, gleich unter einer geschlossenen Eisdecke entlang zu tauchen, sind alle noch nicht so richtig warm geworden: Ein Gesicht voller Vorfreude sieht jedenfalls anders aus. Für Thomas Hinterlang sind solche Bedenken nichts Neues. Seit knapp 20 Jahren schon organisiert er mit seiner Tauchschule Aquakadabra in österreichischen Seen Eistauchgänge. Ein extra Handout hat er teilweise selbst geschrieben und teilweise aus dem Englischen Original übersetzt und neu bebildert. Selbst hat er über 1000 Tauchgänge unter dem Eis gemacht und inzwischen einigen hundert Tauchern das Eistauchen beigebracht. Bei uns in der Tauchschule gibt es inzwischen noch zwei Tauchlehrer welche die Lehrberechtigung zum Eistauchen von mir erhalten haben.

"Ähnlich wie bei Tauchgängen in Höhlen oder Wracks müssen sich viele erst mal mit dem Gedanken anfreunden, nicht jederzeit auftauchen zu können. Aber das regelt sich meist nach dem ersten Tauchgang von alleine - danach sind sie süchtig nach den Ausblicken."
Unter den vielen Tiroler Seen zählt der auf 960 Meter Höhe gelegene Urisee zu unseren absoluten Favoriten: Die Sichtweiten können unter dem Eis bis weit über 30 Meter betragen. Der See ist in den Monaten Januar bis März total zugefroren und teilweise eine Eisdecke von bis zu 40 cm Stärke. Das sieht gigantisch aus!" Ebenso wie die Landschaft, die den See umgibt. Der Schnee liegt dick auf den Tannen, und die Männer versinken bis zu den Waden im flockigen Pulver, das bei jedem Schritt unter den Stiefeln knirscht: ein Wintermärchen.

Eine bizarre Welt aus Eis
"Ich hatte mal in den 80er Jahren tollen Bilder vom Eistauchen gesehen und wollte das ausprobieren", erzählt Thomas Hinterlang während er mit gerunzelter Stirn auf die Eisdecke blickt. Zeit zum Überlegen bleibt ihm jetzt nicht mehr. Er sitzt am Loch, das er zuvor mit der Säge und dem Pickel ins Eis getrieben wurde. Seine Beine baumeln bereits im Wasser. "Auf geht's, ruft er fröhlich, dann taucht er ab. Ein Eistauch-Neuling folge ihm, erst zögernd, dann entschlossen. Hinunter in eine Welt, die mit jener über dem Eis fast nichts gemeinsam hat.
Zusammen mit ihm gleitet er nur einen Meter tief unter der Eisdecke entlang. Das einzige Geräusch kommt von den Atemreglern, es macht "schhhh" beim Einatmen und blubbert, wenn die Luft wieder entweicht. So regelmäßig wie ein Herzschlag. Beide flösseln nur langsam vorwärts, gleiten über abgestorbene Bäume hinweg, deren Äste wie mit Moos besetzte Finger wirken. Beim Eistauchen kommt es nicht auf Tiefe oder Strecke an. Es ist der Blick nach oben, der zählt. Wenn sich die ausgeatmete Atemluft unter der Eisdecke sammelt und wie flüssiges Metall wirkt, wenn man die Welt darüber wie durch einen milchigen Nebel sieht, spätestens dann nimmt einen die Faszination Eistauchen gefangen.

Im Idealfall ist das Eis auch noch schneefrei, während die Sonne am Himmel steht, ihre Strahlen durch das Eis dringen und Lichtmuster ins Wasser zaubern. Dann ist der Taucher in einer Welt gefangen, die ebenso bizarr wie lebensfeindlich scheint und ihm dennoch ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Selbst Thomas Hinterlang kann sich dem nicht entziehen - die Faszination hat längst sämtliche Bedenken weggewischt.

Ohne Teamwork über und unter dem Eis geht nichts
Vollkommen losgelöst sind die Taucher unter dem Eis nicht. Eine Leine verbindet die beiden mit einem dritten komplett angezogenen Taucher der die Leine führt und über diese Signale unter Eis gibt. Diese signalfarbene Schnur ist die Versicherung dafür, dass die Taucher am Ende des Tauchgangs den Ausstieg wieder finden.
An der Oberfläche auf dem Eis steht ein
Eistauchgänge setzen eine dementsprechende Ausrüstung und Planung voraus: Jeder Taucher muss über zwei getrennt voneinander arbeitende und kaltwassertaugliche Atemregler verfügen. Trockentauchanzüge sind obligatorisch. Und bereits vor dem Tauchgang sollte klar sein, wie anschließend die Einstiegsstelle gesichert wird, damit Schlittschuhläufer und Schaulustige das Loch im Eis nicht übersehen.

Weiter als 50 Meter bewegen sich beide nicht vom Ausgangspunkt fort. "Oftmals wird der Sport als Abtauchen in eine Welt der Stille beschrieben", erzählt Hinterlang später. "Dies ist in den meisten Meeren jedoch Quatsch: Man hört die Brandung, den Lärm von Schiffsmotoren, das Nagen der Fische an Korallen. Hier jedoch trifft die Beschreibung zu - unter dem Eis fühlt man sich wie in einer anderen, geräuschlosen Galaxis. Wenn da nur die blöden Atemgeräusche nicht wären ..."

Nach einer halben Stunde ist Schluss. Auch der beste Tauchanzug hält kaum noch warm, die Lippen sind der beißenden Kälte gar schutzlos ausgeliefert. Der Tauchlehrer und der Neuling unter dem Eis machen sich auf den Rückweg.

Um aus dem Loch wieder rauszukommen, benutzen die Taucher eine Aluleiter, die ein normaler Mensch zum Kirschen ernsten im Garten braucht. Auf der glatten Oberfläche ist es sonst unmöglich wieder aus dem Wasser zu kommen
Winterschlaf der Fische
Wer sich unter das Eis begibt, wird den Anblick von Fischen vermissen. Fast leer geräumt erscheint der See, kaum eine Spur von Aktivität ist zu sehen. Und dennoch sind sie da, meist in Grundnähe, wo der See am wärmsten ist. Während sich die meisten Stoffe bei Abkühlung zusammenziehen, dehnt sich Wasser aus. "Anomalie des Wassers" nennen Fachleute diesen Vorgang. Darum schwimmt Eis oben, werden zugefrorene Seen mit zunehmender Tiefe immer wärmer. Am Grund zeigt der Tauchcomputer meist 4 Grad Celsius an - bei dieser Temperatur hat Wasser seine höchste Dichte erreicht, es wird am schwersten und sinkt auf den Boden. Thomas Hinterlang weiß, wo er welchen Fisch finden könnte. Welche Art sich bevorzugt zwischen abgestorbenen Bäumen versteckt, im Schlamm eingräbt oder halb bewusstlos durch das Wasser treibt. Dennoch hält er sich von ihnen fern: "Die meisten Fische fallen in eine Art Trancezustand, fahren sämtliche Körperfunktionen runter und zehren von den Reserven, die sie sich im Sommer zugelegt haben. Würde man sie erschrecken und damit zur Flucht antreiben, kann dies ihr Todesurteil bedeuten - die dabei verbrauchte Energie können sie bei dem geringen Futterangebot im Winter nicht ersetzen."

Fast schon am Ausstieg angekommen, entdecken beide dann doch noch zwei Forellen, die annähernd bewegungslos durch das Wasser treiben. Zu spät: Wen interessiert jetzt noch ein starrer Fisch, wenn oben bereits der heißer Tee wartet?

Ausrüstungsmarathon:
Für das Eistauchen selber braucht man außer der Tauchausrüstung, viel Tauchfremdes Equipment. Die Vorbereitung bei uns gleicht immer einem Campingausflug gleicht. Ein beheiztes Zelt einen Grill, Kaffee, Tee, einen Gasbrenner für warmes Wasser. Eine spezielle Konstruktion die von Thomas Hinterlang entwickelt wurde es ein Gasbrenner auch einem Metallgestell mit einem Bunzenbrenner unten drunter. Damit erzeugen er warmes Wasser. In die Wanne können dann die Taucher ihre Füße stellen wenn sie kalt sind. Für die vielen Jahre haben wir eine ausgeklügelte Logistik für das Eistauchen entwickelt, damit sich unsere Kunden während des ganzen Tages auf dem Eis wohlfühlen.

Das Tauchsportcenter Aquakadabra bietet in der Wintersaison zu regelmäßigen Terminen immer wieder Termine zum Eistauchen an. Ein spezieller Eistauchkurs dann dort auch absolviert werden.
Text und Bilder: Thomas Hinterlang
Tauchsportcenter Aquakadabra
Am Dürren Berg 7 97270 Kist
Telefon: 09306-8543
info@aquakadabra.de
www.aquakadabra.de

 

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