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Ein Rückwärtsgewandter mit ästhetischem Empfinden

Vor 150 Jahren vermachte der Würzburger Künstler und Kunstsammler Johann Mar-tin von Wagner der Uni-versität Würzburg seinen gesamten Kunstbesitz und einen Großteil seines Ver-mögens. Anlässlich dieses Jubiläums zeigt das nach ihm benannte Museum der Universität jetzt die Sonderausstellung „Johann Martin von Wagner – Künstler, Sammler und Mäzen“. Viele der dort ausgestellten Werke werden zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. „Eigentlich war Martin von Wagner ein Gestriger, der an seiner Zeit vorbei gesammelt und gearbeitet hat“. Ulrich Sinns Urteil über den Namensgeber des Museums, an dem er Direktor der Antikenabteilung ist, fällt eindeutig aus. Statt sich der Romantik zu verschreiben, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts en vogue war, habe Wagner streng seine eigenen Kriterien gepflegt – und die orientierten sich an den Vorbildern der Antike und des Klassizismus. „Er war sehr konservativ, an der Antike geschult, ein Klassizist in beharrlichem Sinne“, sagt Sinn. Die Qualität seiner eigenen Arbeiten sowie seiner Sammlung schmälere diese „Rückwärtsgewandtheit“ jedoch nicht. „Wagner war ein Mensch mit einem ausgeprägten ästhetischen Empfinden und einem Blick für die antike Kunst“, so der Archäologe.
Johann Martin Wagner wurde am 24. Juni 1777 in Würzburg geboren. Er studierte in Wien und Paris Malerei, kehrte aber 1802 nach Würzburg zurück. Hier nahm er 1803 an einem von Goethe und dem Kreis der „Weimarer Kunstfreunde“ ausgeschriebenen Preis für bildende Künstler teil. Er gewann nicht nur den Preis, sondern erhielt dank der Fürsprache des Dichters außerdem eine Anstellung als Professor der zeichnenden Künste an der Universität Würzburg. Verbunden war dies mit dem Angebot, einen zweijährigen Studienaufenthalt in Italien zu absolvieren.

Der Rat der Griechen vor Troja machte ihn berühmt

Arbeiten von Martin von Wagner aus dieser Zeit finden sich im ersten Saal der Sonderausstellung in der Gemäldegalerie des Museums. Viele Studien und Vorzeichnungen sowie etliche kleinere Gemälde finden sich dort – aber auch sein Hauptwerk, der allein schon vom Format her beeindruckende „Rat der Griechen vor Troja“. 1807 hatte Wagner das Bild fertig gestellt; dessen Ausstellung sollte seinen Namen über die Grenzen hinaus berühmt machen; der bayerische König erwarb das Kunstwerk 1808. Vermutlich in dem Bewusstsein, nichts Besseres mehr schaffen zu können, reduzierte Wagner in den Jahren danach seine eigene künstlerische Tätigkeit, in den Vordergrund sollte dafür seine Sammelleidenschaft rücken.
Eine Leidenschaft, die er idealerweise zur Profession machen konnte: 1810 verließ Wagner seine Heimatstadt erneut in Richtung Rom, diesmal in offiziellem Auftrag, als Kunstagent und Kunstberater des bayerischen Kronprinzen Ludwig, und diesmal, um hier – abgesehen von kurzen Reisen, unter anderem nach Griechenland, wo er Kunstschätze erwarb – sein Leben bis zu seinem Tod im Jahr 1858 zu verbringen. In dieser Zeit erwarb er mit einem sicheren Gespür für Qualität in Rom unzählige Kunstwerke, wobei er den König unter anderem beim Aufbau der Münchener Glyptothek ebenso wie bei der Zusammenstellung einer Sammlung griechischer Vasen beriet. Für diese Tätigkeit erhob ihn Ludwig im Jahr 1825 in den persönlichen Adelsstand.
Auch für sich selbst sammelte Martin von Wagner; rund 3500 italienische Zeichnungen umfasste sein Nachlass, hauptsächlich Werke aus der Zeit vom 16. bis zum 18, Jahrhundert von Künstlern wie Carlo Maratti oder Alvator Rosa. Aber auch Werke von Giovanni Battista Tiepolo finden sich dort, die Martin von Wagner von seinem Vater, dem Würzburger Hofbildhauer Peter Wagner, geerbt hatte. Einen Ausschnitt aus dieser Sammlung zeigt die Sonderausstellung in drei Räumen in der Gemäldegalerie. „Diese Zeichnungen sind so lichtempfindlich, dass sie nicht dauerhaft ausgestellt werden können“, erklärt Ulrike Öhm, promovierte Kunstgeschichtlerin, die maßgeblich an der Konzeption der Ausstellung beteiligt war. Viele von ihnen sind deshalb jetzt zum ersten Mal in der Öffentlichkeit zu sehen.

Ein Fonds für einen Museumsneubau

Dass Martin von Wagner nicht nur als Künstler und Sammler eine bedeutende Rolle für das Würzburger Universitätsmuseum einnimmt, können die Besucher der Sonderausstellung in den Räumen der Antikensammlung nachvollziehen. „Wir nutzen die Gelegenheit des Jubiläums, um mit einem alten Vorurteil aufzuräumen“, sagt Ulrich Sinn. Anders als von vielen Besuchern vermutet, zeige die Antikenabteilung nämlich nicht Martin von Wagners Sammlung. „Wagner hatte für die Universität einen Fonds eingerichtet mit dem Auftrag, daraus ein Museum zu finanzieren“, sagt Sinn. Als jedoch kurz darauf die weltberühmte Sammlung Feoli, zu der rund 480 griechische Vasen gehörten, zum Verkauf angeboten wurde, griff die Universität Würzburg zu. „Das war der Abschied von einem Museum zugunsten der Antikensammlung“, erklärt Sinn. Insgesamt vier solcher Sammlungen konnte die Universität mit Wagners Unterstützung aufkaufen. Einzelne Stücke stellt die Sonderausstellung jetzt exemplarisch vor und erläutert an ihnen die Geschichte der Stiftung Martin von Wagners.
Begleitend zur Ausstellung bietet das Museum einen Katalog an: Stefan Kummer/Ulrich Sinn (Hrsg.): „Johann Martin von Wagner – Künstler, Sammler und Mäzen“, 238 Seiten mit 174 Farb- und 21 Schwarzweiß-Abbildungen, Ergon-Verlag, Würzburg 2007.
Die Sonderausstellung ist zu sehen bis zum 24. Februar 2008, Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 10 bis 13.30 Uhr in der Gemäldegalerie, 13.30 bis 17 Uhr in der Antikenabteilung, Sonntag 10 bis 13.30 Uhr in beiden Abteilungen. Montag geschlossen. Eintritt frei.
Die Ausstellungsmacher Ulrike Öhm und Ulrich Sinn vor einem Gemälde Martin von  Wagners.
Die Ausstellungsmacher Ulrike Öhm und Ulrich Sinn vor einem Gemälde Martin von Wagners. (Foto Gunnar Bartsch)


Quelle: Universität Würzburg








Nachricht vom 6.12.07 20:06

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