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Neues Labor für die Wirtschaftsinformatik

Die Studenten Julian Esslin .

So kann Praxisbezug an der Uni aussehen: Vier Studenten der Wirtschaftsinformatik haben ein ERP-Labor aufgebaut. Ihre Kommilitonen können sich darin mit Software vertraut machen, die für Firmen heutzutage unverzichtbar ist.
Ob es um Personal, Finanzen oder Logistik geht: So gut wie alle Unternehmen benutzen mehr oder weniger komplexe Software, um ihre Ressourcen zu verwalten. In der Fachsprache heißen solche Lösungen ERP-Systeme, wobei ERP für „Enterprise Resource Planning“ steht. Allein in Deutschland gibt es über 300 Anbieter unterschiedlichster ERP-Systeme, die zum Teil sehr speziell auf einzelne Branchen zugeschnitten sind.
ERP-Systeme sind die Datenzentralen der Unternehmen. „Wer Wirtschaftsinformatik studiert, sollte darum möglichst viele Systeme kennen lernen“, sagt Professor Axel Winkelmann, Inhaber des Lehrstuhls für BWL und Wirtschaftsinformatik an der Uni Würzburg. Um den Studierenden das zu ermöglichen, wurde an seinem Lehrstuhl ein ERP-Labor aufgebaut.
Das Labor ist übersichtlich – es besteht im Prinzip nur aus einem einzigen Server. Der aber hat es in sich: Sechs verschiedene ERP-Systeme sind bislang darauf installiert, weitere sollen folgen. Auf den Server können die Studierenden übers Internet zugreifen und den Einsatz von ERP-Systemen in verschiedenen Firmen regelrecht durchspielen.
Richtige ERP-Software auswählen
Das läuft dann zum Beispiel so: In einer Übung bekommen Studierende die Aufgabe, in die Rolle von Unternehmensberatern zu schlüpfen. In kleinen Teams müssen sie prüfen, welches ERP-System sich für eine bestimmte, fiktive Firma am besten eignet. Sie sollen ihre Lösung am Ende auch begründen und mögliche Schwachstellen des jeweiligen Systems identifizieren.
„Dabei steigen die Studenten richtig tief in unterschiedliche ERP-Systeme ein“, sagen Christoph Klima und Florian Pfarr, die diese Übung mitbetreuen. Das Wissen, das dabei vermittelt wird, sei aus Sicht der Wirtschaftsinformatik sehr wichtig – denn die Auswahl der richtigen ERP-Software habe für ein Unternehmen große Bedeutung.
Studenten bauten das Labor auf
Aufgebaut wurde das ERP-Labor von vier Master-Studenten: Julian Esslinger, Sebastian Göhrig, Murat Tasci und Jochen Coconcelli. Sie hatten diese Aufgabe im Rahmen eines Software-Praktikums von Professor Winkelmann bekommen. Die Studenten besorgten Server und Software und setzten das System mit der Unterstützung von Ulrich Plödereder vom Rechenzentrum in Betrieb. Betreut wurden sie dabei von den Doktoranden Pfarr und Klima.
Nach zwei Monaten Arbeit war das Labor zum Sommersemester fertig und konnte gleich in einer Übung mit Studierenden getestet werden. Alles klappte bestens, und somit ist das ERP-Labor ab dem Wintersemester fester Bestandteil der Lehrveranstaltungen für Master-Studierende der Wirtschaftsinformatik.

Anbieter von ERP-Systemen befragt
Das ERP-Labor aufzubauen war nur ein Teil des Praktikums. Zusätzlich sollten die vier Studenten eine Marktanalyse in Angriff nehmen. „Dazu haben wir alle ERP-Systemhersteller in Deutschland identifiziert und für sie einen Fragebogen aufgesetzt, um mehr über die zukünftige Ausrichtung der Branche zu erfahren“, sagt Sebastian Göhrig.
Rund 180 Firmen wurden angeschrieben, die Auswertung läuft noch. Erste Trends können die Studenten aber schon erkennen: „Was die Auslagerung ihrer Produkte in eine Cloud angeht, sind die meisten Firmen sehr zurückhaltend, vor allem aus Aspekten der Datensicherheit“, erzählt Julian Esslinger.
Forschung im ERP-Labor
Im ERP-Labor der Wirtschaftsinformatik wird übrigens nicht nur gelehrt, sondern auch geforscht. „Es bietet eine gute Basis, um neue Entwicklungen zu testen“, sagt Doktorand Klima. Mit dem Labor lassen sich zum Beispiel neue Methoden der Datenextraktion gleich an mehreren ERP-Systemen evaluieren. Mittels Datenextraktion lassen sich beispielsweise wichtige Firmenkennzahlen aus den Datenbeständen abrufen.








Nachricht vom 25.9.13 00:54

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