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Ein Genius mit Kombinationstalent

Damian Dombrowski und die N .

Er war Würzburgs letzter Hofmaler; in der Sammlung des Martin-von-Wagner-Museums hatte er bislang gefehlt. Jetzt konnte die Lücke geschlossen werden. Allerdings ist der Ankauf von Johann Christoph Fesels Werk „Der Raub der Sabinerinnen“ noch nicht ganz finanziert. Spender sind deshalb willkommen.
Der Bamberger Kunsthändler hatte den richtigen Riecher: „Ein Fesel gehört nach Würzburg.“ Deshalb bot er das Gemälde, das vor wenigen Monaten bei ihm gelandet war, dem Martin-von-Wagner-Museum der Universität Würzburg zum Kauf an – genauer: den Verantwortlichen der Gemäldegalerie. Dort war die Freude über das überraschende Angebot groß: „Fesel war sozusagen unser Missing Link. Mit dem Ankauf dieses Gemäldes haben wir nun alle Würzburger Hofmaler lückenlos dokumentiert“, sagt Professor Damian Dombrowski, Inhaber des Lehrstuhls für mittlere und neuere Kunstgeschichte der Uni Würzburg und ab kommendem Jahr Direktor der Neueren Abteilung des universitären Kunstmuseums, der auch die Gemäldegalerie angehört.
Ein günstiger Preis – und doch zu hoch
8000 Euro kostete das Werk Der Raub der Sabinerinnen – „für ein Gemälde dieses Formats, dieser Datierung und dieses Zustands ein sehr günstiger Preis“, sagt Dombrowski. Dennoch zu viel für die Gemäldegalerie, um die Summe aus eigenen Mitteln zu stemmen. Hier standen gerade einmal 2000 Euro zur Verfügung. Hilfe kam von den „Freunden der Würzburger Residenz“; sie stellten weitere 4000 Euro für den Ankauf zur Verfügung. Zur Finanzierung der restlichen 2000 Euro suchen Dombrowski und seine Mitarbeiter nun nach weiteren Spendern. „Jede Unterstützung ist uns willkommen – egal ob klein oder groߓ, sagt der Kunsthistoriker.
Johann Christoph Fesels Laufbahn
Johann Christoph Fesel kam am 14. Juli 1737 in Ochsenfurt zur Welt. Sein Talent als Maler wurde früh erkannt; bereits im Alter von zwölf Jahren begann er eine Lehre beim damaligen Würzburger Hofmaler Franz Ignatz Roth. Es ist höchst wahrscheinlich, dass er in dieser Zeit mitverfolgen konnte, wie Giovanni Battista Tiepolo 1752/53 sein berühmtes Fresko im Treppenhaus der Residenz am Deckengewölbe malte. Viel spricht auch dafür, dass er von den Künsten des Venezianers tief beeindruckt war.
Reisen nach Wien, Rom und Griechenland
Mit finanzieller Unterstützung durch den Würzburger Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim reiste Fesel später zu mehreren, teils mehrjährigen Studienaufenthalten nach Wien und Rom. Während einer Griechenlandreise gemeinsam mit einem englischen Lord zeichnete er in dessen Auftrag Altertümer. 1767 kehrte Fesel nach Würzburg zurück und übernahm 1768 die Stelle als Kabinettsmaler und Hofmalinspektor. Mit der Säkularisation 1803 endete Fesels Anstellung als Hofmaler am fürstbischöflichen Hofe. Bis zu seinem Tod am 25. Oktober 1805 stand er im Dienste des bayerischen Staates und organisierte den Abtransport des Säkularisationsguts nach München. Der 1801 datierte Raub der Sabinerinnen ist demnach ein Alterswerk.
Ein Maler am Übergang zweier Epochen
„Christoph Fesel war keiner der ganz Großen“, sagt Damian Dombrowski. Was ihn allerdings aus kunsthistorischer Sicht interessant macht, ist die Tatsache, dass Fesel am Übergang zweier Epochen stand: auf der Schwelle vom Barock zum Klassizismus. Diese Stellung zwischen den Zeiten merke man seinen Werken an, so der Kunsthistoriker: „Fesel schwankt zwischen den beiden Stilen, er nimmt Neues auf und zeigt grundlegende Tendenzen nebeneinander.“ Das mache den Erwerb des Gemäldes auch aus Sicht der Lehre wünschenswert. So finden sich im Raub der Sabinerinnen zahlreiche Elemente aus unterschiedlichen Epochen – angefangen bei einer Körperhaltung, wie sie Fesel möglicherweise auf Fresken in Pompeji gesehen hat, über die Hintergrundkulisse, die von Raphael inspiriert sein könnte, bis zum gekünstelten Pathos der dargestellten Personen, wie es für den französischen Klassizismus typisch ist. „Fesels Genius bestand in seiner Kombinationsgabe, er konnte aus vielen Quellen ein neues Werk schaffen“, sagt Dombrowski.
Öffentliche Präsentation
Unter dem Motto „Ein Abend für ein Bild – ein Bild für immer“ stellt das Martin-von-Wagner-Museum Johann Christoph Fesels Gemälde Der Raub der Sabinerinnen am Donnerstag, 14. November, zwischen 19 und 21 Uhr der Öffentlichkeit vor. Begleitet von Musik aus der Zeit um 1800, einer Reihe von Kurzvorträgen zu verschiedenen Aspekten des Bildes und einem Glas Wein können die Besucher den Maler und sein Werk näher kennenlernen. Danach wird es in den Ausstellungsräumen der Gemäldegalerie zu sehen sein.
Anmeldung erbeten unter T: (0931) 31-82283 oder per Mail: museum.na@uni-wuerzburg.de








Nachricht vom 5.11.13 11:34

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