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Drei Würzburger unter den „heißen Hundert“

Dirk Vordermark, Thomas Dandekar und Jörg Schultz Regelmäßig veröffentlicht der Online-Verlag BioMed Central eine Liste der „Hot 100 Authors“. Unter die Reihe der Viel-Publizierer haben es mittlerweile drei Forscher der Universität Würzburg geschafft. Keine andere Uni ist dort in gleicher Stärke vertreten. Dr. Dirk Vordermark führt die Riege der Würzburger an: Der Oberarzt aus der Klinik für Strahlentherapie hat in den vergangenen Jahren an insgesamt acht Artikeln mitgewirkt, die auf den Seiten von BioMed Central (BMC) veröffentlicht wurden. Ihm dicht auf den Fersen sind die Professoren Thomas Dandekar, Inhaber des Lehrstuhls für Bioinformatik, und Jörg Schultz vom gleichen Lehrstuhl mit sieben beziehungsweise sechs Texten. Dabei ist allerdings nicht nur die Zahl von Veröffentlichungen allein ausschlaggebend für die Aufnahme in die Rangliste. Pluspunkte gewinnt beispielsweise auch der Autor, dessen Artikel häufiger als andere gelesen werden. Wer die Arbeiten seiner Kollegen begutachtet, steigt in der Rangliste ebenfalls nach oben – und wer sein Gutachten pünktlich abgibt, bekommt als Dankeschön ebenfalls einen Bonus.
„Ich finde, das ist eine unterstützenswerte Sache, bei BMC zu publizieren“, sagt Jörg Schultz. Zum einen bleibe das Copyright bei den Autoren der jeweiligen Arbeit, zum anderen „verdienen nicht die Herausgeber anderer Journals mit meiner Arbeit Geld“, so der Bioinformatiker.
Besondere Spielregeln beim Publizieren
Normalerweise ist der Gang der Dinge nämlich so: Wenn Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse in der Fachwelt bekannt machen wollen, tun sie das mit einer Publikation in einer Fachzeitschrift. Dabei gelten besondere Spielregeln: Die Zeitschriften lassen zuerst die Seriosität der eingereichten Forschungsergebnisse von Fachkollegen der Autoren auf Herz und Nieren prüfen. Entscheiden sie sich dann dafür, die Berichte zu veröffentlichen, so müssen die Autoren meist alle Rechte an ihren Texten und Abbildungen an die Verlage abtreten. Die wiederum machen die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Öffentlichkeit nicht etwa uneingeschränkt bekannt, sondern verkaufen ihre Druckerzeugnisse oder den Zugang zu ihren Online-Journals zu teilweise horrenden Preisen.
Der Steuerzahler wird wegen dieses Vorgehens gleich doppelt zur Kasse gebeten: Zum einen finanziert er in aller Regel die Forschung an den Universitäten; zum zweiten stammt das Geld, mit dem die Universitätsbibliotheken ihre Abonnements bezahlen, ebenfalls aus Steuermitteln. Als Mitte der 1990er-Jahre die Verlage dann auch noch die Preise vor allem für ihre Zeitschriften im naturwissenschaftlichen Bereich stetig anhoben, und gleichzeitig der Dollar – der üblichen Währung diese Abos – deutlich teurer war als heute, mussten die Universitätsbibliotheken viele Journale abbestellen – mit der Konsequenz, dass Wissenschaftler und Studierende immer schlechter auf aktuelle wissenschaftliche Informationen zugreifen konnten.
Wissenschaft für die Öffentlichkeit sichtbar machen
Gegen diese Situation wendet sich die Open-Access-Bewegung. Die strebt einen freien Zugang (in englischer Sprache: open access) zu wissenschaftlichen Erkenntnissen und Publikationen an. „Somit stehen die Arbeiten sofort weltweit Jedem zu Verfügung. Wir können auf diesem Weg Wissenschaft sichtbar machen“, sagt Schultz. Ein Artikel, der in einer kostenpflichtigen Zeitschrift erscheint, kann hingegen nur von denen gelesen werden, die über das Geld verfügen und sich ein Abonnement leisten können.
Ohne Geld funktioniert natürlich auch der Open Access nicht. Die Veröffentlichungskosten werden dadurch gedeckt, dass die Autoren eine Bearbeitungsgebühr von 500 US-Dollar bezahlen. Diese Gebühr sinkt allerdings deutlich, wenn die Institution des Autors Mitgliedsbeiträge bezahlt. Das ist bei der Uni Würzburg der Fall– „eine gute Investition“, findet Schultz.
Qualität der Artikel ist gewährleistet
Leichter wird es für den Forscher allerdings auch bei BMC nicht, seine Arbeit unterzubringen. „Der Auswahlprozess ist der gleiche wie bei anderen Journalen“, sagt Schultz. Dadurch sei allerdings auch gewährleistet, dass die Qualität der Artikel auf dem gleichen Niveau liegt – was für einen Wissenschaftler von nicht geringem Interesse ist. Schließlich dient jede Veröffentlichung in einem renommierten Rahmen direkt seinem Ruf unter den Kollegen.
Dass die Universität Würzburg in der Liste der „Hot 100“ so gut vertreten ist, hat nach Schultz’ Meinung keinen besonderen Grund – höchstens den: „Würzburg geht eben mit der Zeit“. Schließlich sei Open Access die Zukunft des Publizierens – hofft er jedenfalls.


Quelle: Universität Würzburg








Nachricht vom 29.1.08 23:06

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