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Die Erinnerungen teilen

Die Institute für Geschichte der polnischen Universität Thorn und der Uni Würzburg arbeiten ab sofort zusammen. Erstes Beispiel dieser Zusammenarbeit ist die Polnische Historische Mission, die jetzt in Würzburg einen neuen Standort erhalten hat. Weitere Beispiele sollen folgen. Heute beginnt ein neuer Abschnitt im Leben der Polnischen Historischen Mission. Dies ist ein sehr wichtiges Ereignis für unsere Universität.“ Andrzej Radzimiński ist Rektor der Nikolaus-Kopernikus-Universität Thorn – einer Universität in Polen mit rund 40.000 Studierenden, die knapp 200 Kilometer südlich von Danzig liegt. Am vergangenen Freitag ist Radzimiński nach Würzburg gereist, um hier gemeinsam mit dem ab 1. Oktober amtierenden Präsidenten der Julius-Maximilians-Universität, Alfred Forchel, zwei Verträge zu unterzeichnen.

Die Polnische Historische Mission
Punkt 1: Die Polnische Historische Mission erhält ab sofort an der Würzburger Universität ihren neuen Standort. Sie soll es Historikern beider Länder ermöglichen, zu Themen aus der deutsch-polnischen Geschichte zu forschen und gegenseitig Kontakte zu knüpfen. Außerdem soll sie den Wissenschaftsaustausch mit anderen internationalen wissenschaftlichen Einrichtungen in Europa forcieren.

Die Polnische Historische Mission hat eine kurze Geschichte: Deutsche Geschichtswissenschaftler hatten ihre Gründung angeregt; mit Hilfe polnischer Historiker der Nikolaus-Kopernikus-Universität in Thorn war sie am 1. August 2001 am Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen ins Leben gerufen worden. Als jedoch im Jahr 2007 das Max-Planck-Institut in ein „Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften“ umgewandelt wurde, sah es eine Zeit lang düster für die Zukunft der Mission aus.

Die Gunst der Stunde genutzt
Bis Helmut Flachenecker, Inhaber des Lehrstuhls für Fränkische Landesgeschichte an der Universität Würzburg und Mitglied im Beirat des Max-Planck-Instituts, die Gunst der Stunde nutzte und sich für einen Umzug der Mission nach Würzburg stark machte. „Ohne Professor Flachenecker wäre dieser Umzug nicht zustande gekommen“, sagte Alfred Forchel bei der Vertragsunterzeichnung und dankte ihm für sein Engagement. Die Universität Würzburg erhalte dadurch eine Einrichtung, die sie im Vergleich zu anderen Hochschulen besonders auszeichne.

Während die Universität Würzburg in erster Linie die Räume und die Infrastruktur für die Mission stellt, übernimmt die Universität Thorn die personelle Ausstattung und die laufenden Kosten. Dafür kooperiert sie mit einer Reihe weiterer polnischer Hochschulen beispielsweise in Warschau, Krakau und Breslau. Bayern unterstützt die Einrichtung durch die Finanzierung von mindestens fünf Stipendien pro Jahr im Wert von je 1500 Euro. Diese Stipendien sollen es polnischen Wissenschaftlern ermöglichen, ihren Forschungsprojekten an der Historischen Mission in Würzburg nachgehen zu können.

Zusammenarbeit auf Institutsebene
Punkt 2: Gleichzeitig mit dem Umzug der Polnischen Historischen Mission nach Würzburg haben die Institute für Geschichte der Universitäten in Thorn und in Würzburg eine Zusammenarbeit beschlossen. Sowohl Wissenschaftler als auch Studierende sollen zum Austausch animiert werden; geplant sind gemeinsame Forschungsprojekte, aufeinander abgestimmte Lehrveranstaltungen, internationale Kolloquien und der Austausch von Veröffentlichungen und Lehrmaterialien.

Ein Grußwort vom Botschafter Polens
Die Bedeutung dieser beiden Verträge spiegelt sich möglicherweise in der Gästeliste dieser Veranstaltung wider. Neben den Präsidenten der beteiligten Universitäten und zahlreichen Wissenschaftlern waren die Generalkonsulin der Republik Polen in München, Elzbieta Sobótka, der Oberbürgermeister der Stadt Würzburg, Georg Rosenthal, und eine Vertreterin des bayerischen Wissenschaftsministeriums extra zur Vertragsunterzeichnung angereist.

Ein unermesslicher Gewinn für Europa
Die Suche nach Verbindendem und die gegenseitige Sensibilisierung für die Vergangenheit könnten Verständnis füreinander wecken und Ressentiments überwinden, sagte Elzbieta Sobótka in ihrem Grußwort. Angesichts des „unendlichen Leids, das Deutschland im Zweiten Weltkrieg über Polen gebracht hat“ sei die Tatsache, dass uns Polen die Hand reicht und mit uns darüber spricht „ein Schatz und schier unermesslicher Gewinn für Europa“, so Georg Rosenthal.

Die Bedeutung für die Zukunft betonte Polens Botschafter in Deutschland, Dr. Marek Prawda, in einem Brief, den Elzbieta Sobótka vorlas: „Der Beitritt von Ländern aus dem ‚anderen Europa‘ in die Europäische Union kann erst dann erfolgreich sein, wenn wir unsere Erinnerungen teilen.“ Die Polnische Historische Mission wird dafür ein Wegbereiter sein.








Nachricht vom 29.9.09 23:04

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