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Biblische Schriften erschließen

Professorin Barbara Schmitz .

Erstmals wird an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Würzburg eine Professur mit einer Frau besetzt: Barbara Schmitz (36) übernimmt zum 1. Juli 2011 den Lehrstuhl für Altes Testament und biblisch-orientalische Sprachen. Barbara Schmitz, 1975 im Rheinland geboren, hat Theologie in Passau, Jerusalem und Münster stu-diert. Nach der Promotion 2003 in Münster war sie Assistentin an den Universitäten Bamberg und Fribourg (Schweiz), ab 2005 dann Oberstudienrätin im Hochschuldienst für den Bereich Altes Testa-ment und Sprachen an der Universität Duisburg-Essen.
2007 habilitierte sich Barbara Schmitz an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Re-gensburg, ab 2009 arbeitete sie an der Technischen Universität Dortmund als Professorin für Exegese und Theologie des Alten Testaments. Von dort wurde sie auf den Würzburger Lehrstuhl berufen. Dessen bisheriger Inhaber, Theodor Seidl, ist seit Oktober 2010 im Ruhestand.
Schriften der Bibel als historische Dokumente
Die Gegenwart mit der Vergangenheit in einen konstruktiv-spannungsreichen Dialog zu bringen: „Das ist eine der Herausforderungen, vor denen die Theologie heute steht“, sagt die neue Professorin. Den Schriften der Bibel weist sie dabei eine besondere Stellung zu. Denn diese seien im Bemühen ent-standen, vom ständigen gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und theologischen Wandel zu erzählen, diesen Wandel durch die Schriften aber auch mitzuprägen.
Darum gelte es, die biblischen Schriften als historische Dokumente in ihren zeitgenössischen Zusam-menhängen zu erschließen. Gleichzeitig gehe es darum, die Relevanz der Bibel für aktuelle gesell-schaftliche, ökonomische und ethische Fragen aufzuzeigen. „Den Studierenden möchte ich einen kritischen Umgang mit dem Alten Testament beibringen, und zwar auf der Basis eines kultur- und literaturgeschichtlichen sowie sozialwissenschaftlichen Ansatzes“, so Barbara Schmitz.

Was die Studierenden erwartet
Die Bibel gibt vielfältige Stimmen aus unterschiedlichen Zeiten wieder. Lebendig und kommunikativ will Barbara Schmitz auch ihre Lehre gestalten. „Anstelle von dozenten-zentriertem Lehren liegt mir studierenden-orientiertes Lernen am Herzen.“
Ihr Ziel: Die Studierenden sollen im Lauf ihres Studiums lernen, selbstständig und fachkundig bibli-sche Texte zu erschließen, sie in ihren literarischen und historischen Kontexten einzuordnen und in ein Gespräch mit der Auslegungsgeschichte und der Gegenwart zu bringen. „Exkursionen und außer-universitäre Lernorte sind dafür genauso wichtig wie interdisziplinäre Kooperationen in Forschung und Lehre“, betont die Theologin.
Schwerpunkte in der Forschung
Ein Forschungsgebiet von Barbara Schmitz ist die jüdische Literatur aus der hellenistisch-römischen Zeit, etwa ab dem dritten Jahrhundert vor Christus. Damals bemühten sich die Menschen darum, die älteren, auf Hebräisch verfassten Schriften für ihr zeitgenössisches Umfeld zu erschließen – sei es durch Übersetzung ins Griechische, sei es durch neue literarische Werke. Darum zeige sich diese Epo-che als „sehr lebendige und kreative Werkstatt theologischer Reflexionen“.
In ihrer Habilitationsschrift hat die neue Lehrstuhlinhaberin ein Modell einer historischen Narratolo-gie für die biblischen Schriften entwickelt, die sie exemplarisch an den Königsbüchern aufgezeigt hat.
Für Studienanfänger ist das neue Buch „Geschichte Israels“ von Barbara Schmitz konzipiert, das im September 2011 erscheinen wird. Darin rekonstruiert sie die historischen Zusammenhänge der Ge-schichte Israels aus den Epochen heraus, in denen die biblischen Schriften bearbeitet, redigiert oder verfasst wurden. Die Geschichtsentwürfe der Menschen in der damaligen Zeit versteht sie „als Be-wältigung von Krisenerfahrungen zur Sicherung der eigenen Identität“.
Judentum und Christentum
Das Gespräch zwischen Judentum und Christentum bezeichnet die Professorin als eines ihrer beson-deren Anliegen: „Mein Engagement zielt gerade auf einen theologischen Diskurs mit dem Judentum.“ Daher ist sie Mitglied im Gesprächskreis „Juden und Christen“ beim Zentralkomitee der Deutschen Katholiken und Mitherausgeberin der Zeitschrift „Kirche und Israel“. Diese bietet seit 1985 eine Platt-form, um das Verhältnis von Judentum und Christentum zu thematisieren.
Neue Forschungskooperationen in der Katholisch-Theologischen Fakultät und darüber hinaus anbah-nen, die Studierenden fachlich voranbringen, die Stadt kennen lernen: „Auf meine neue Tätigkeit in Würzburg freue ich mich sehr“, sagt Barbara Schmitz.








Nachricht vom 29.6.11 21:43

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