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Altkanzler Gerhard Schröder als Würzburger Glücksbringer beim Overtime-Krimi

Was für ein Spiel in der ausverkauften s.Oliver Arena! Die s.Oliver Baskets haben sich am 2. Spieltag der neuen Saison bei Mitaufsteiger GIESSEN 46ers für die Niederlage im ProA-Finale revanchiert und ein spektakuläres Spiel nach Verlängerung mit 104:101 (87:87) für sich entschieden. Maurice Stuckey traf den Dreier zum Sieg 1,2 Sekunden vor dem Ende der Overtime. Herausragender Akteur der Partie war Würzburgs Spielmacher Dru Joyce mit 24 Punkten und 12 Assists.

Bekanntlich gibt es Basketball-Hallen in Deutschland, in denen Zuschauer mit dem Nachnamen „Schröder“ nicht immer gerne gesehen sind. Anders bei den s.Oliver Baskets: Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder war beim ersten Saisonheimspiel der Unterfranken gegen die GIESSEN 46ers gern gesehener Gast und erlebte zusammen mit 3.140 Zuschauern in der Würzburger „Turnhölle“ sein erstes Beko BBL--Spiel. Eine bessere Wahl hätte er nicht treffen können: Es wurde eine hochspannende und spektakuläre Partie, in der die regulären vierzig Minuten nicht genügten, um einen Sieger zu finden.

Wichtige Dreier, spektakuläre Dunkings und Monsterblocks: Dieses Spiel hatte alle Zutaten, die Basketball zur attraktivsten aller Hallensportarten machen. Beide Mannschaften schenkten sich nichts und kämpften von Beginn an mit höchstem Einsatz um jeden Ball – bereits in der ersten Halbzeit war es ein intensives Duell auf Augenhöhe mit zwölf Führungswechseln. Nach einem absolut ausgeglichenen ersten Viertel (22:22) konnten sich die Hausherren zwar zu Beginn des zweiten Abschnitts zum ersten und einzigen Mal zweistellig absetzen (36:26, 14. Minute). Es dauerte aber nur gute vier Minuten, dann hatten die Mittelhessen wieder ausgeglichen (40:40).

Beim Stand von 52:49 für die s.Oliver Baskets ging es in die Pause, Dru Joyce hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 16 Punkte erzielt. Nach dem Seitenwechsel drehten dann erst einmal die Gäste auf und holten sich bis zur 27. Minute ihrerseits einen Neun-Punkte-Vorsprung (59:68). „Es war ein miserables drittes Viertel von uns. Aber die Jungs haben den Kopf nicht in den Sand gesteckt und weiter gekämpft“, sagte s.Oliver Baskets Headcoach Doug Spradley.

Trotzdem sah es lange Zeit so aus, als könnten die 46ers wie zuletzt im ProA-Finale im Mai als Sieger vom Würzburger Parkett gehen. Der dritte erfolgreiche Dreier von Braydon Hobbs zum 75:82 veranlasste Spradley zu einer Auszeit – genau vier Minuten waren noch zu spielen. Danach erlebten die 3.140 Zuschauer fast eine Kopie der Schlussphase beim Auswärtssieg am Sonntag in Ulm: Den Gästen gelangen bis zum Schluss nur noch ein Feldkorb und drei Freiwürfe, während Maurice Stuckey nach der Auszeit mit einem Dreier die Aufholjagd der Baskets einleitete. 36,1 Sekunden vor der Schlusssirene sorgte Seth Tuttle mit zwei Freiwürfen für den 87:87-Ausgleich – Verlängerung!

In der Extra-Zeit sollte das Spiel noch spektakulärer werden: Erst setzten sich die Hausherren durch Lamonte Ulmer und Dru Joyce auf 94:88 ab, dann schlugen die Gäste nach einer Auszeit noch einmal zurück und glichen durch den starken Suleiman Braimoh weniger als eine Minute vor Schluss wieder aus (98:98).

Die Schlussphase der Overtime hatte es dann richtig in sich: Dreier Lamonte Ulmer mit Ablauf der Schussuhr ins Gesicht seines Gegenspielers zum 101:98 – noch 24 Sekunden zu spielen. Dreier von Cameron Wells zum 101:101 – noch sechs Sekunden zu spielen. Und schließlich der – gut verteidigte – Dreier von Maurice Stuckey mitten ins Herz der Gießener und ihrer mitgereisten Fans. Die letzten 1,2 Sekunden reichten den Gästen nicht mehr, um dem Spiel eine erneute Wende zu geben. Es war der fünfte Würzburger Erfolg im fünften Beko BBL-Spiel gegen die GIESSEN 46ers.

Zwei Siege zum Saisonauftakt bedeuten für den Aufsteiger Rang fünf in der Tabelle. Am Sonntag geht es für die Würzburger rund 120 Kilometer den Main hinunter zum anderen hessischen Club in der Beko BBL: Um 17 Uhr sind sie bei der Heimpremiere der FRAPORT SKYLINERS zu Gast.


Stimmen zum Spiel

Doug Spradley, Headcoach s.Oliver Baskets:
„Ich sage einfach nur 'Wow'. Ich denke, dass beide Trainer mit der Verteidigungsleistung ihrer Mannschaft nicht zufrieden sind. Aber ich habe meinen Jungs gerade gesagt, dass es besser ist nicht so gut zu spielen und trotzdem zu gewinnen als alles richtig zu machen und zu verlieren. So ein Ende eines Spiels mit drei Dreiern in in Folge habe ich lange nicht mehr gesehen. Es hat Spaß gemacht zuzuschauen, hat beide Teams aber auch viel Energie gekostet. Glückwunsch an meine Mannschaft, sie hat nie aufgegeben. Nach einem miserablen dritten Viertel haben wir uns wie am Sonntag in Ulm zurückgekämpft, alles gegeben und einen Weg gefunden, das Spiel zu gewinnen.

Denis Wucherer, Headcoach GIESSEN 46ers:
„Gratulation an Doug Spradley und seine Mannschaft. Wir haben ein sehr unterhaltsames Spiel gesehen, dass am Ende durch eine einzige Aktion entschieden wurde. Wir hatten die Chance, das Spiel in den letzten Minuten der regulären Spielzeit zu entscheiden, haben es aber nicht mehr geschafft, Würzburg am scoren zu hindern. Ein Stop mehr in dieser Phase, und wir wären als Sieger vom Parkett gegangen. Und das wäre auch in Ordnung gewesen.“


s.Oliver Baskets – GIESSEN 46ers 104:101 n.V. (22:22, 30:27, 17:23, 18:15, 17:14)

Für die s.Oliver Baskets spielten:
Dru Joyce 24 Punkte/2 Dreier (12 Assists), Lamonte Ulmer 21/3 (7 Rebounds/3 Steals), Maurice Stuckey 13/3, Brendan Lane 13 (6 Rebounds), Cameron Long 12/1, Seth Tuttle 11/1 (6 Rebounds/4 Assists), Ruben Spoden 7/1, William Coleman 3, Joshiko Saibou, Sebastian Betz.

Top-Performer Gießen:
Wells 21/2, Ibekwe 21, Braimoh 18/2 (8 Rebounds), Hobbs 16/4 (8 Rebounds)

Key Stats:
Freiwurfquote: Würzburg 88 Prozent / Gießen 73 Prozent
Rebounds: Würzburg 34 (12 offensiv) / Gießen 40 (14 offensiv)
Assists: Würzburg 24 / Gießen 16
Punkte in der Zone: Würzburg 50 / Gießen 42
Fastbreak-Punkte: Würzburg 10 / Gießen 3

Nachricht vom 11.10.15 10:49

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