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Brasiliens andere Geschichte

Aus der Uni-Ausstellung übe .

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien steht vor der Tür. Regenwald, Karneval in Rio, traumhafte Sandstrände – all das verbindet man mit dem lateinamerikanischen Land. Eine eher unbekannte Seite Brasiliens zeigt die Universität Würzburg in einer Ausstellung auf dem Africa Festival.
Beim Stichwort „Sklaverei“ kommt vielen Leuten als erstes die Geschichte der USA in den Sinn. Sklavenhandel gab es aber auch in Brasilien, und er hatte weitreichende Folgen für die Geschichte und die Kultur des Landes. Diesen eher unbekannten Aspekt greift das Afrikazentrum der Universität Würzburg in der Ausstellung „Afrikas Erbe in Brasilien“ auf. Sie ist vom 29. Mai bis 1. Juni im Universitätszelt auf dem Africa Festival zu sehen.
Sklaven aus Afrika für Stadt und Land
Wie in alle anderen Länder der Neuen Welt, verschleppte man afrikanische Sklaven auch nach Brasilien. Ab den 1550er-Jahren brachte man Sklaven aus Angola, Mosambik, Ghana oder Nigeria ins Land. Sie arbeiteten auf Zuckerrohr-, Tabak- und Kaffeeplantagen oder im Reis- und Baumwollanbau.
In den Städten waren Sklaven ebenfalls allgegenwärtig: Reiche Brasilianer umgaben sich mit einer Vielzahl von Sklaven, die sie als Gärtner, Träger, Köchinnen, Kutscher oder Hausmädchen einsetzten. Selbst weniger wohlhabende Brasilianer hielten sich wenigstens einen oder zwei Sklaven, denn körperliches Arbeiten war verpönt. Das blieb so, bis Brasilien als letztes Land der Neuen Welt die Sklaverei im Jahr 1888 abschaffte.
Der Versuch, ein „weißes“ Brasilien zu schaffen
Das Ende der Sklaverei zeichnete sich schon Mitte des 19. Jahrhunderts ab. Damals begann die brasilianische Regierung damit, gezielt europäische Einwanderer anzuwerben. Dadurch sollte das „sittliche“ Niveau des Landes gehoben und ein demographischer Ausgleich zu der großen afrikanisch-stämmigen Bevölkerung geschaffen werden.
Im Zuge dieser Politik der „Aufweißung“ – der offizielle Begriff dafür war „embranquecimento“ –kamen zwischen 1855 und 1895 mehr als zwei Millionen Europäer ins Land. In deren großer Zahl, so hoffte die Regierung, sollte die schwarze Bevölkerung durch kontinuierliche Vermischung aufgehen. Letzten Endes sollte dadurch ein weißes, europäisches Brasilien entstehen.
Europäische Einwanderer konnten mit zahlreichen Vergünstigungen rechnen. Auf der anderen Seite unternahm die Regierung nichts, um die strukturelle Benachteiligung der ehemaligen Sklaven auszugleichen und sie in die Gesellschaft einzugliedern. Den Afro-Brasilianern blieb dadurch die Chance auf eine gleichberechtigte soziale und politische Entwicklung verwehrt – zumal sie weiterhin mit den jahrhundertealten Vorurteilen zu kämpfen hatten, die „schwarz“ mit „minderwertig“ gleichsetzten.
Afro-Brasilianer in Geschichte, Kunst und Kultur
Die afrikanisch-stämmige Bevölkerung hat die brasilianische Geschichte und Kultur im Lauf der Jahrhunderte deutlich geprägt – das begann man erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts langsam aufzuarbeiten. In Europa allerdings ist vieles davon bis heute nicht bekannt. Daher bildet dieser Aspekt den Schwerpunkt der Ausstellung „Afrikas Erbe in Brasilien“.
Die Ausstellung thematisiert brasilientypische Formen des Widerstands gegen die Sklaverei. Sie macht deutlich, dass die Afro-Brasilianer selbst einen wesentlichen Beitrag zur Abschaffung der Sklaverei geleistet haben. Und sie zeigt den bis heute prägenden Einfluss der Sklaven und ihrer Nachfahren in Kunst und Architektur, Musik und Karneval, Gastronomie, Religion und Sport.
Zusammengestellt wurde die Ausstellung von Karin Sekora und Julien Bobineau, die beide Mitglieder im „Forum Afrikazentrum“ der Universität sind. Die Ausstellung war bereits für das Africa Festival 2013 konzipiert, musste aber nach nur einem Tag wegen des Hochwassers auf dem Festivalgelände abgebrochen werden. Daher ist sie – aus aktuellem Anlass ergänzt um zwei Banner zum brasilianischen Fußball – vom 29. Mai bis 1. Juni 2014 nun erneut im Universitätszelt auf dem Festival zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung von 10 bis 20 Uhr.








Nachricht vom 20.5.14 11:22

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