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Descartes-Preis für Würz-burger Mikrobiologen In einer feierlichen Zeremonie hat die Europäische Kommission in Brüssel die europäischen Wissenschaftspreise 2007 verliehen. Unter den Preisträgern sind auch drei Professoren vom Biozentrum der Universität Würzburg, die Mikrobiologen Werner Goebel, Jürgen Kreft und Michael Kuhn. Sie erforschen, wie Infektionen mit dem bakteriellen Lebensmittelkeim Listeria monocytogenes ablaufen.
Die drei Würzburger erhielten den „Descartes-Preis für transnationale Verbundforschung“ gemeinsam mit Partnern vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (Braunschweig) und der Universität Gießen sowie mit Kollegen aus Frankreich und Spanien. Ausgezeichnet wurde das Team für seine sehr erfolgreichen Arbeiten im europäischen Virlis-Konsortium (Virlis steht für Molecular and cellular basis of the Virulence of the food borne pathogen Listeria monocytogenes). Das Konsortium teilt sich den mit insgesamt 1,36 Millionen Euro dotierten Preis mit zwei anderen europäischen Forschergruppen aus den Bereichen Nanotechnologie und Geowissenschaften.
Das Würzburger Team, zu dem jüngst noch Dr. Dagmar Beier hinzugestoßen ist, erforscht schon seit den späten 1980er-Jahren, ab 1996 dann in enger Zusammenarbeit mit deutschen und europäischen Kollegen, die komplexen biologischen Vorgänge, die sich bei der Infektion von Mensch und Tier mit Listeria monocytogenes abspielen. Dieser gefährliche Krankheitskeim wird durch kontaminierte Lebensmittel übertragen. Er verursache vor allem bei abwehrgeschwächten Personen lebensbedrohliche Infektionskrankheiten, wie Blutvergiftungen und Gehirnhautentzündungen, so die Forscher. Glücklicherweise komme es nur selten zu Infektionen.
Das preisgekrönte Forscherkonsortium hat nicht nur die Vorgänge bei Listeria-Infektionen bis in molekulare Details hinein geklärt. Es hat auch neue Erkenntnisse für die Infektionsbiologie ganz allgemein gewonnen, zum Beispiel über das Eindringen von Mikroben in ihre menschlichen Wirtszellen, die dabei ablaufenden Signalvorgänge und die Fortbewegung der Bakterien in den infizierten Körperzellen.
Auch die Frage, wie derartige Keime den „Fresszellen“ des Körpers, die normalerweise sehr effiziente Bakterienkiller sind, nicht nur entwischen, sondern sich in ihnen sogar vermehren können, wurde geklärt: Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Listeria normale Funktionen der Wirtszellen für seine Zwecke umsteuern und ausnutzen kann. Werner Goebel wies zudem nach, dass das Bakterium in seinem Stoffwechsel mit der Wirtszelle interagiert.
Diese Erkenntnisse führten zur Entstehung eines neuen Forschungsgebiets, der zellulären Mikrobiologie. Sie haben auch anderen Bereichen der Lebenswissenschaften, beispielsweise der Zellbiologie, neue Impulse gegeben. Durch die Arbeit der Wissenschaftler ist Listeria monocytogenes zu einem weltweit erforschten Modellorganismus aufgestiegen, wobei die Europäer dank des Virlis-Konsortiums auf diesem Feld führend sind. Das an Listeria gewonnene Wissen bildet auch eine der Grundlagen für neue Abwehrstrategien gegen bakterielle Krankheitserreger.
Bei ihrer Arbeit haben die Forscher von Anfang an alle Möglichkeiten und Methoden der sich rasant entwickelnden Molekular- und Zellbiologie genutzt und kombiniert. Früh schon bezogen sie die Genomforschung mit ein, so dass sie im Jahr 2001 die weltweit ersten Erbgutsequenzen von Listerien veröffentlichen konnten. Dieser Forschungsansatz wurde unter anderem vom deutschen Kompetenznetz PathoGenoMik fortgeführt, dessen Zentrale am Biozentrum der Universität Würzburg angesiedelt ist.
Freuen sich über den Descartes-Preis: die Würzburger Professoren Werner Goebel, Jürgen Kreft und Michael Kuhn (von links) aus dem Biozentrum
Freuen sich über den Descartes-Preis: die Würzburger Professoren Werner Goebel, Jürgen Kreft und Michael Kuhn (von links) aus dem Biozentrum. Foto: privat


Quelle: Universität Würzburg








Nachricht vom 17.3.08 12:12

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