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Gute Nächte

Karolin Roeser (links) und .

Wenn Kinder und Jugendliche unter Schlafstörungen leiden, leidet häufig die ganze Familie mit. In den meisten Fällen kann ein Training innerhalb kurzer Zeit für Abhilfe sorgen. Zwei Psychologinnen der Universität Würzburg bieten das Programm mit Erfolg an. Wenn Anna mal wieder aus Angst vorm Alleinsein nicht einschlafen kann, ruft sie seit Neuestem nicht mehr nach ihrer Mutter. Stattdessen holt die Sechsjährige Kalimba zu sich ins Bett und fragt ihn um Rat. Kalimba ist ein Zeopard – ein Leopard aus dem Zauberland (und eigentlich ein Stofftier. Aber das spielt hier keine Rolle.) Auf seinem Fell trägt er Mutpunkte, mit denen er Anna die Angst nehmen kann. Außerdem hat er jede Menge Freunde: die anderen Stofftiere aus Annas Zimmer. Mit denen zusammen baut er, wenn es sein muss, einen unüberwindbaren Schutzring um Annas Bett. Und Anna kann endlich beruhigt einschlafen.
Schlafstörungen: ein häufiges Problem
Viele Kinder und Jugendliche leiden zumindest zeitweise unter Schlafstörungen. Jüngsten Studien zufolge haben rund 30 Prozent aller 13- bis 25-Jährigen Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen; zwischen vier und zehn Prozent unter ihnen leiden an Schlaflosigkeit. Bei den 5- bis 10-Jährigen schwanken die Schätzungen zwischen 20 und 43 Prozent.
Je jünger die Kinder sind, desto stärker betrifft das Problem auch die Eltern. Wer ganze Abende im Kinderzimmer verbringt, nur darauf wartend, dass der Sohn oder die Tochter endlich tief schläft; wer mehrmals in der Nacht geweckt wird und aufstehen muss; wer regelmäßig „Übernachtungsbesuch“ im Ehebett hat, wird sich vermutlich bald nach kompetenter Hilfe sehnen.
Ein Schlaftraining hilft
Zwei Psychologinnen der Universität Würzburg, Karolin Roeser und Barbara Schwerdtle, bieten solche Hilfe an: ein Schlaftraining für Kinder und Jugendliche. Sechs Sitzungen, die jeweils 100 Minuten dauern, reichen nach den Erfahrungen der beiden aus, um die Schlafprobleme dauerhaft zu beseitigen. Den Erfolg dieses Trainings bestätigen auch neueste Untersuchungen, über die die Fachzeitschrift Nature and Science of Sleep Anfang des Jahres berichtet hat.
Ein ausführliches Erstgespräch steht am Anfang jeden Trainings. Dabei lassen sich die beiden Therapeutinnen die Probleme in allen Details schildern. Danach entscheiden sie, ob die Hilfesuchenden in das Trainingsprogramm aufgenommen werden. Besteht der Verdacht, dass ein organisches Problem Auslöser der Schlafstörungen ist, schicken sie den Betroffenen zum Arzt oder ins Schlaflabor. Für die anderen beginnt das Training, in das immer auch die Eltern mit einbezogen werden.
Kleine Veränderungen können viel bewirken
„Unsere Therapie ist eine Kombination aus Verhaltens- und Hypnotherapie“, sagt Karolin Roeser. Also werfen die Teilnehmer zunächst einmal einen genauen Blick auf ihr Bett, dessen Umgebung und ihre Gewohnheiten: Schauen sie vor dem Zu-Bett-Gehen möglicherweise Fernsehen oder fahren am Computer Autorennen? Gehen sie zu unregelmäßigen Zeiten schlafen und stehen mal früh am Morgen, mal erst gegen Mittag auf? Steht das Bett so nah am Schreibtisch, dass jeder Blick die Erinnerung an die kommende Schulaufgabe weckt? Alles Punkte, die mit hoher Wahrscheinlichkeit einen guten und erholsamen Schlaf verhindern können.
„Die Jugendlichen bekommen dann von uns die Hausaufgabe, an ihrer Schlafumgebung das zu verändern, was sie stört“, sagt Barbara Schwerdtle. Auch Kinder sollen ihren Eltern sagen, was ihnen an ihrem Bett gefällt und was nicht. Die Folge sei häufig ein „Familienausflug ins Möbelhaus“, so Karolin Roeser. Und in vielen Fällen schon danach eine spürbare Verbesserung der Schlafprobleme.
Wer abschalten kann, schläft besser
Runterfahren, entspannen, abschalten: Wie das geht, lernen die Teilnehmer des Trainingsprogramms im hypnotherapeutischen Teil. Bewusste Atemtechniken gehören genauso dazu wie Fantasie- oder Trancereisen – Gedankenreisen, die mit einer bestimmten therapeutischen Botschaft kombiniert sind. An diesem Punkt kommt bei den Jüngeren Kalimba ins Spiel.
Der Leopard mit den Zauberkräften dient zum Einen als Vorbild – immerhin hatte er, als er jünger war, selbst Schlafprobleme. Zum Anderen stehen seine Flecken als Erinnerungszeichen für die bisher gelernten Techniken. Und – nicht zuletzt – gilt ein Leopard als mutig, stark und voller Selbstvertrauen. Er trägt also lauter Eigenschaften, die sich die Kinder auch aneignen sollen.
Die Ziele des Trainingsprogramms
„Kinder werden im Laufe des Trainings selbstständiger und unabhängiger. Sie lernen, ihr eigenes Ich zu stärken“, sagt Barbara Schwerdtle. Und wer auf seine eigenen Kräfte und Fähigkeiten vertraut, der braucht auch nicht mehr die Mama oder den Papa an seiner Seite, wenn es ans Einschlafen geht.
Jugendliche hingegen lernen im hypnotherapeutischen Teil beispielsweise, wie sie einen Ort finden, an dem sie ihre Sorgen und Nöte deponieren können, bevor endlose Grübeleien sie am Einschlafen hindern.
Erfolg schon nach kurzer Zeit
Mehr als 30 Kinder und Jugendliche haben Karolin Roeser und Barbara Schwerdtle inzwischen trainiert – mit durchschlagendem Erfolg: „Bei den Kindern zeigen sich spätestens drei Monate nach Trainingsende keine Schlafstörungen mehr“, sagt Schwerdtle. Bei den Jugendlichen gehe es nicht ganz so schnell, ergänzt Roeser. Doch auch bei ihnen sei in der Regel nach drei Monaten das Hauptproblem gelöst, die Lebensqualität habe sich spürbar verbessert.
Und Kalimba? Der hat dann seine Pflicht getan – und wird von seinen Besitzern häufig an jüngere Geschwister weitergegeben. Damit er auch denen zu einer ruhigen Nacht verhilft.
Kontakt: Wer an der Trainingsprogramm teilnehmen möchte oder sich dafür interessiert, kann sich mit Karolin Roeser oder Barbara Schwerdtle in Verbindung setzen: T (0931), 31-80185, barbara.schwerdtle@uni-wuerzburg.de und karolin.roeser@uni-wuerzburg.de Ausführliche Informationen zu dem Programm stehen im Internet: http://www.i1.psychologie.uni-wuerzburg.de/weitere_projekte/kinderschlaf/








Nachricht vom 16.3.11 18:00

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