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Die Genetik der Angst

Katharina Domschke ist neu .

Angst hat es ihr angetan: Katharina Domschke erforscht die genetischen Grundlagen, die Men-schen anfällig für Angststörungen machen. Die Medizinerin ist seit Januar Professorin für Psychiat-rie und Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität Würzburg.
Eigentlich sind Furcht und Angst wichtige Komponenten menschlichen Verhaltens: Sie schützen vor Einflüssen oder Begegnungen, die unangenehm oder schädlich sein können. Menschen lernen im Laufe ihres Lebens, sich vor bestimmten Ereignissen zu fürchten und so gefährliche Situationen zu vermeiden. Allerdings gibt es auch eine krankhafte Seite der Angst: „Angst wird dann pathologisch, wenn sie zu lange dauert oder in Situationen auftritt, die eigentlich nicht gefährlich sind. Wenn sie die Betroffenen in ihrem Alltagsleben behindert und unter Leidensdruck setzt“, sagt Katharina Domschke.
Domschke ist zu Jahresbeginn von Münster an die Universität Würzburg gewechselt. Als Professorin für Psychiatrie und Oberärztin an der Psychiatrischen Universitätsklinik wird sie hier auch in Zukunft erforschen, wieso manche Menschen anfälliger sind als andere für eine Angsterkrankung. Würzburg und ihre neuen Kollegen dürften ihr hinlänglich bekannt sein: Seit etwas mehr als drei Jahren arbei-ten Wissenschaftler aus Würzburg, Münster und Hamburg im Rahmen des Sonderforschungsbereichs „Furcht, Angst und Angsterkrankungen“ daran, das komplexe Zusammenspiel der beteiligten Fakto-ren aufzudröseln. Auf der Ebene der Gene haben sie dabei mittlerweile einen der Hauptakteure iden-tifiziert: Das betreffende Gen kodiert ein besonderes Eiweiß, das den Namen Neuropeptid S (NPS) trägt.
Zentrales Gen identifiziert
„Neuropeptide sind Nerven-Botenstoffe, die indirekt das Zusammenspiel von mehreren anderen Nerven-Botenstoffen wie Serotonin und Adrenalin beeinflussen“, erklärt Domschke. Wissenschaftler des Sonderforschungsbereichs konnten in Experimenten an Mäusen zeigen, dass gerade das Neuro-peptid S (NPS) Angst-ähnliches Verhalten beim Tier entscheidend steuert. Tatsächlich haben Domschke und ihre Kollegen auch beim Menschen eine Variante des Gens identifiziert, das für die NPS-Rezeptoren verantwortlich ist. Die Rezeptoren dieser Variante reagieren mit einer um das Zehn-fache erhöhten Sensibilität auf das Neuropeptid S. Für die Träger dieser Variante hat das zur Folge, dass sie ihre Angstreaktion sehr viel stärker erleben und bewerten als Menschen, deren Rezeptoren nicht so sensibel arbeiten. Dabei zeigen sie auch körperliche Anzeichen einer erhöhten Angstreaktion wie zum Beispiel einen erhöhten Herzschlag in Angst-besetzten Situationen. In der Sprache der Wis-senschaftler neigen die Betroffenen zu einer „katastrophisierenden Überinterpretation von körperli-chen Angstreaktionen“ und sind damit anfälliger für die Entwicklung von Angsterkrankungen wie beispielsweise der Panikstörung.
Hoffnung auf bessere Medikamente
Mit dem Wissen um die genetischen Grundlagen von Angsterkrankungen lassen sich nach Domsch-kes Ansicht noch spezifischere Medikamente gegen Angstzustände oder auch Depressionen – ein weiterer Forschungsschwerpunkt der Wissenschaftlerin – entwickeln und auf ihre Wirksamkeit tes-ten. „Damit können wir den Patienten möglicherweise viel Leidenszeit ersparen“, lautet ihre Hoff-nung.
Zur Person
Katharina Domschke wurde 1978 in Erlangen geboren. Von 1997 bis 2004 studierte sie Humanmedi-zin an der Universität Münster und am Trinity College Dublin. Parallel dazu absolvierte sie ein Studi-um der Psychologie an der Boston University (2001/02) mit dem Abschluss Master of Arts. Im De-zember 2004 promovierte sie an der Universität Münster zur Dr.med., im Jahr 2010 zum Dr. (PhD) an der Maastricht University, Niederlande. Im Jahr 2008 habilitierte sich Katharina Domschke an der Universität Münster mit einer Arbeit aus dem Bereich der „Molekularen Psychiatrie“ und wurde 2010 zur Außerplanmäßigen Professorin an der Universität Münster ernannt.
Weitere Stationen ihrer Karriere sind: Wissenschaftspreis des Deutschen Ärztinnenbundes 2009, Research Award der World Federation of Biological Psychiatry 2011, Ingrid-zu-Solms Wissenschafts-preis 2011, Mitglied der Jungen Akademie der Leopoldina und der Berlin-Brandenburgischen Akade-mie der Wissenschaften (BBAW) seit 2011.








Nachricht vom 8.2.12 00:54

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